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aus Kurier / Stadtzeitung vom 03.02.2017

Presseartikel weitergeleitet vom Kulturbüro der Stadt Karlsruhe

Badische Neueste Nachrichten | Karlsruhe | KULTUR IN KARLSRUHE | 28.01.2017  


„Am Ende eine Null ist wunderschön“
Bildende Kunst dominiert: Kulturfrühstück zur Rolle der Karlsruher Off-Szene

Während sich in anderen Großstädten eine Subkultur als buntes Potpourri unterschiedlichster Sparten formiert, scheint in Karlsruhe die Bildende Kunst die alternative Kulturlandschaft zu dominieren – so zumindest der erste Eindruck beim Kulturfrühstück „Zur Rolle der Karlsruher Off-Szene“, zu dem Kulturamtsleiterin Susanne Asche lud. In den vergangenen Jahren haben sich Absolventen der hiesigen Hochschulen verstärkt freie Kunsträume geschaffen, die ein breites Feld unterschiedlicher Möglichkeiten abdecken: von der seit über 15 Jahren existierenden Poly Galerie, aus der zahlreiche Impulse für weitere Initiativen kamen, über den von einem Team kuratierten Ausstellungsraum Luis Leu bis hin zum quietschebunten Künstlerkollektiv Circus 3000, das interdisziplinäre Veranstaltungen im Domizil auf dem Alten Schlachthof bietet.

So unterschiedlich ihre Inhalte, so unterschiedlich stellen sich die Projekträume wirtschaftlich dar. Während Lennart Krauß von strategischem Denken und ökonomischen Zwängen bei der Programmgestaltung im Luis Leu in der Luisenstraße berichtet, bekennt sich Constanze Zacharias vom Studio Nordbecken zur zwanglosen Freiheit: „Die Zeit, in der andere Zuschüsse beantragen, nutzen wir, um Geld zu verdienen, damit wir unsere Kosten tragen können. Am Ende eine Null ist wunderschön.“
Auch die professionellen Galeristen haben diese Vielfalt erkannt und versuchen sie angesichts des Schwunds in den eigenen Reihen in die Galerientage zu integrieren. Das scheint für Organisatorin Rita Burster nicht einfach zu sein, da die verschiedenen Projekträume zwar über lose Kontakte, aber keine gemeinsamen Sprecher verfügten. Simon Pfeffel, der gemeinsam mit drei Künstlerkollegen das Hinterzimmer beim Kronenplatz als Atelier mit Ausstellungsmöglichkeit betreibt, bedauert die Unorganisiertheit, durch die dieser Reichtum der Stadt nicht überregional wahrgenommen werde.
Dass auch jenseits der Bildenden Künstler eine Szene außerhalb der etablierten Einrichtungen höchst lebendig ist, machten unter anderem Vertreter des Forums Freie Musik, des Dörflevereins Eckkultur und des Kulturvereins Panorama deutlich. Stellvertretend für viele Initiativen brachte Florian Kaufmann vom soziokulturellen P8 den zentralen Wunsch nach günstigen Räumen auf den Punkt, indem er an die zerstörte Künstlerkolonie hinter dem Hauptbahnhof erinnerte: „Wenn hier ein zweiter Alter Schlachthof entsteht, ist das für die Off-Szene viel zu teuer. Die Politiker sollten in ihren Entscheidungen für die Off-Szene bezahlbare Räume mitdenken und auch den 30 Jahre alten Bebauungsplan revidieren, der in Gewebegebieten wie dem Rheinhafen eine kulturelle Nutzung verbietet.“ jf