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DenkBar am Donnerstag,27.05.2021, um 19:00 Uhr – nur online

Einmal ganz anders … schon fast eine Mischung aus Bildbesprechung und DenkBar: der Künstler

„Unterschiedlich und doch gleich – David Hammons’s Werk Bliz-aard Ball Sale“

„David Hammons verkauft Schneebälle“An einem winterlichen Tag im Jahr 1983 verkaufte David Hammons Schneebälle in verschiedenen Größen. Er legte sie in abgestuften Reihen aus und verbrachte den Tag als zuvorkommender Verkäufer. Er nannte die unangekündigte Straßenaktion Bliz-aard Ball Sale und schrieb sie in ein Werk ein, das von den späten 1960er Jahren bis heute ein Lexikon diskreter Aktionen und bewusst „schwarzer“ Materialien verwendet hat, um die Natur des Kunstwerks zu kommentieren, die Kunstwelt und Rasse in Amerika.

In Bliz-aard Ball Sale ist Hammons Gegenstand seiner eigenen Arbeit. Mehrere Künstler haben das gleiche erfolgreich versucht. Andere haben es immer noch nicht geschafft, diesen Trick mit ein wenig Erfolg durchzuziehen. In diesem Stück tritt Hammons als anonyme Person auf, der niemand viel Aufmerksamkeit schenken sollte. Außerdem sieht er aus wie ein verrufener Straßenhändler, der versucht, seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Sachen zu verdienen, die niemand kaufen sollte, der sein Salz wert ist.

Mehrere Aspekte von Bliz-aard Ball Sale machen es zu einer Ikone. Für den Anfang sind die Schneebälle unterschiedlich und dennoch gleich groß. Zweitens erscheinen sie immer ordentlich angeordnet. Drittens finden Sie sie immer auf bunten Teppichen. Viertens ist Hammons afrikanischer Abstammung. Damals erhielten sie nicht viel Bekanntheit. Darüber hinaus scheint Bliz-aard Ball Sale einige der früheren Arbeiten von Hammons fortzusetzen. Jeder, der sich genau an das erinnert, was er in der Vergangenheit getan hat, würde Hinweise auf Pissed Off (1981) in Bliz-aard sehen.

 

 

Ein paar Gedanken aus der Diskussion zusammengefasst:

„Das Bild wurde vom Künstler gepostet und deswegen habe ich es gleich in die Kategorie Kunst eingeordnet.“ Mit dieser Feststellung begann das Gespräch über David Hammons und seine Schneeballaktion. Wenn wir der Situation auf der Straße begegnet wären, hätten wir es witzig oder absurd gefunden und gedacht, das ist ein Spinner, aber ich hätte es zunächst nicht als Kunst angesehen. Vielleicht hätten wir ihm aus Solidarität eine Münze geben. Wir hätten es anders eingeordnet. Das Besondere allerdings hier das Material, Schnee, kurzlebig, Vielleicht hinterfragt die Aktion so unsere Konsumgewohnheiten, für was geben wir Geld aus und für was nicht. Unterschiedliche interessante Aspekte. Mehrschichtig. Es betrifft jeden, weil es um Konsum und Konsumgewohnheiten geht.

Aus einer kleinen Recherche kam die Bezeichnung heraus: Unterschiedlich und doch gleich. Die Größen sind unterschiedlich und doch weiß, gleich. Die Philosophie des Künstlern ist die Auseinandersetzung mit den Unterschieden zwischen den Menschen, unterschiedliche Hautfarben, unterschiedliche Rituale, Herkünfte, unterschiedlichen Kulturen – und doch gleich, gleiche Rechte, gleichberechtigt usw.

Beim ersten Blick kommt der Gedanke nicht unbedingt: unterschiedlich und gleich. Eher kommt die Absurdität des Verkaufs der Schneebälle hoch. Früher hat man sowas ja Konzeptkunst genannt. Und dann passiert etwas, was im Nachhinein interpretiert wird. Die Erklärung passiert dann durch den Betrachter. Die Absurdität hat der Konzeptkünstler Dieter Meier (auch Sänger der Gruppe Yello – von Yes und No gebildet) mit einer Aktion in Zürich  gezeigt: er hat sich auf den Marktplatz gesetzt und jeden Tag 8 Stunden lang Schrauben abzählt und in Tüten gefüllt. Er wollte einfach den Arbeitsprozess dargstellt. Auch David Hammons steh auf der Straße, ist Verkäufer und nimmt die Schneebälle als vergängliches Material.

Das Bild enthält auch einen formalen Aspekt. Es ist ein ästhetisches Kunstwerk. Die Geormetrie, die Reihung von großen und kleinen Schneebällen, auch der weiße Schneeball vor dem schwarzen Mantel, die Symmetrie, und das Halstuch als Dreieck zeigt auf den Schneeball.

Wenn ich in den Primark gehe und kaufe mir ein T-Shirt, ziehe es einmal an und werfe es dann weg. Ich kaufe mir Blumen und stelle zu Hause hin. Nach ein paar Tagensind sie verwelkt und ich werfe sie weg. Blumen – Schneeball – ich kaufe sie und kann mich daran erfreuen. Eine Freude mit dem Schneeball – kommunizieren mit den Käufern. Die Sprache der Straße sprechen.

David Hammons setzt sich auch mit dem Kunstmarkt auseinander. Abgesetzt vom musealen und sammelnden Kaufen und Behalten. Es hat worhl auch einen Käufer gegeben, der einen Schneeball gekauft und in der Tiefkühltruhe aufbewahrt hat. Sinnvoll und sinnlos. Sammeln und besitzen. Die Vergänglichkeit überwinden? Die Sprache der Straße – einfache Dinge nehmen und zu Geld machen, wie es viele Straßenverkäufer tun – als Überlebenskampf. Er benutzt die Sprache und gestaltet Kunst. Einschmuggeln in den Kunstmarkt? Wenn ich Geld ausgebe, was bekomme ich als Gegenwert?

In der DM-Zeitschrift Alverde war gerade ein Beitrag über Joseph Beuys (weiterlesen) in der über sein Verständnis von Kunst als einem Sozialimpuls uns heute noch Anregungen für die Gestaltung der Zukunft geben kann. In seiner Kunst (Fett und Filz) steckt etwas drin, was das (normale) Publikum als Spinnerei und absurd abtut und nicht aufgeht. Es ist sicher ein Bezug dahinter, den man immer für sich interpretiert.

Die Schneeballaktion ist die bekannteste Aktion und erscheint bei der Suche nah seinem Namen als erste. Die zweite Aktion, mit der er sich mit etablierter Kunst auseinandersetzt ist das Werk von Richard Serra, die Metall-Platten-Stele in die er eintritt und sie anpinkelt (Stop and Piss). Auf dem Bild sieht man, dass auch andere dieses Kunstwerk schon bearbeitet haben (Dosen und Grafitti). Natürlich gibt es auch andere Künstler, die mit ihren Aktion Aufmerksamkeit erregen. Beispiel Anselm Kiefer und sein öffentlich an bestimmten Plätzen zeigen des Hitler  Grußes. So wie auch die Werke von Beuys versteht man nicht unbedingt den Hintergrund oder die Absicht des Künstlers. Ab wann erkennen wir den Gedanken. Ist es eine elitäte Geschichte. Wann wird es Kunst? Wenn die Galerie es aufnimmt? Wo ist da die Kunst? Es gibt zwei Richtungen, wie man sich mit Kunst auseinandersetzt: entweder ich erfahre, der Künstler hat das gemacht oder ich werde mit der Aktion konfrontiert und komme so auf die Idee, da macht jemand im künstlerischen Bereich. Konzeptlunst – mit was beschäftigt sich der Künstler. Wenn man sich mit David Hammons eingehender beschäftigt, kann man schon erkennen, das er sich mit einem durchgängigen Thema beschäftigt und es verfolgt.

Erkennen wir, dass es Kunst und eine Kunstaktion ist nicht erst durch den Zusammenhang – aldo wenn wir das ganze Werk eines Künstlers erkennen? Ist es Kunst, weil man auch diese Aktion so einordnen kann? Konzeptkunst – die Idee ist wichtiger als das eigentliche Erscheinen.  Wird Kunst durch den Rezipienten?

Die Schneeballaktion war in den 80-er Jahren. Hat er damals schon auf die Erderwärmung, die Klimaveränderung aufmerksammachen wollen? Er kann  auch darauf hideuten, das die Gletscher, unsere Eisvorräte schwinden. Ist es schon ein Vorgriff auf die Erderwärmung, den Klimawandel. Eine Warnung, eine Ermahnung? Kann e in den 80-ger Jahren schon vorausgeahnt haben, wohin es sich entwickelt. Hat der Künstle eine Vorahnung, ein Gefühl. Oder deuten wir es aus unserer heutigen Sicht als eine Vorahnung. Hat Kunst auch zu einer anderen Zeit eine neue und gewandelte Bedeutung? Alte Kunstwerke können auch aus einer geänderten zeitlichen Perspektive wieder oder auch erst dann eine Bedeutng erlangen.

Die Diskussion entwickelte sich in die Aspekte von Konsum, Nachholen von Reisen, Nachholen von ausgelassenen oder nicht erlaubten Bedürfnissen wie Reisen, wieder an andere Orte fliegen. Brauche ich den Flug, den SUV, den Konsum. Oder ist es Zeit, sich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu beschränken. Es gibt Menschen, die auf diese Veränderungen reagieren, aber es genügt so sicher nicht. Können die Menschen noch einmal Entwicklungen drehen und eine Rettung des Planeten erreichen. Der Bewusstseinswandel ist wichtig. Ist der Hammons mit diesem Beispiel – Wasser zu Wasser, Zustandsänderung, Änderung von Aggregatzuständen – beispielgebend.

Hat durch die Pandemie ein Bewusstseinswandel stattgefunden? Oder ist es das Nachholbedürfnis – alternativ: mit weniger auskommen. Ist mehr Zufriedenheit entstanden?

TS hat noch ergänzt:

Hammons formt den Rohstoff Schnee zu einem Produkt, dem Schneeball um.
Es handelt sich um einen Wertschöpfungsprozess, bei dem die Ware nach Gebrauch keine schädlichen Rückstände hinterlässt.
In dieser Hinsicht ist Hammons gewiss beispielgebend. Gerade heute vergiften wir doch die Erde mit unseren Abfällen und bedrohen mit der Ressourcenausbeutung das Leben auf dem Planeten in weiten Teilen.
Wir verglichen Hammons` Vorgehen mit der Verwendung von Fett oder Wachs bei Joseph Beuys. Stoffe, die bei bestimmten, relativ niedrigen Temperaturen den
Aggregatzustand ändern. Die Wabe der Biene wird durch Wärmezufuhr wieder flüssig und erstarrt umgekehrt bei Erkaltung (wurde in der Diskussion nicht genannt).
Für Beuys waren dies ideale Materialien, um auf gesellschaftliche Prozesse (Tod/Kristallisation und Leben/Dynamik) aufmerksam zu machen. Im Gegensatz zu Fett steht z.Bsp. der Beton der modernen Zivilisation.
Bei Metallen ist der Umkehrprozess mit sehr viel höherer Wärmeenergie möglich (siehe die Einschmelzung der Kaiserkrone (Machtsymbol) zum Friedenshasen, Beuys, Staatsgalerie Stuttgart).

Was bei der Diskussion nicht genannt wurde, ist eine sehr naheliegende Überlegung zum Zweck des Schneeballs.
Er steht i.a. für das Spiel, sei es eine Schneeballschlacht oder den Bau eines Schneemanns.
Das Spiel als wichtige Grundlage des Lernens und der Entwicklung menschlicher Intelligenz.
Das kam zu kurz oder ist mir nicht aufgefallen.

Einige ergänzende Anmerkungen von TS:

Ganz am Ende des Textes steht mit Hinweis auf die Änderung von Aggregatzuständen die Frage, ob Hammons beispielgebend sei.

Dies ist ein wichtiger Aspekt, den ich so beschreiben würde:
Hammons formt den Rohstoff Schnee zu einem Produkt, dem Schneeball um.
Es handelt sich um einen Wertschöpfungsprozess, bei dem die Ware nach Gebrauch keine schädlichen Rückstände hinterlässt.
In dieser Hinsicht ist Hammons gewiss beispielgebend. Gerade heute vergiften wir doch die Erde mit unseren Abfällen und bedrohen mit der Ressourcenausbeutung das Leben auf dem Planeten in weiten Teilen.
Wir verglichen Hammons` Vorgehen mit der Verwendung von Fett oder Wachs bei Joseph Beuys. Stoffe, die bei bestimmten, relativ niedrigen Temperaturen den
Aggregatzustand ändern. Die Wabe der Biene wird durch Wärmezufuhr wieder flüssig und erstarrt umgekehrt bei Erkaltung (wurde in der Diskussion nicht genannt).
Für Beuys waren dies ideale Materialien, um auf gesellschaftliche Prozesse (Tod/Kristallisation und Leben/Dynamik) aufmerksam zu machen. Im Gegensatz zu Fett steht z.Bsp. der Beton der modernen Zivilisation.
Bei Metallen ist der Umkehrprozess mit sehr viel höherer Wärmeenergie möglich (siehe die Einschmelzung der Kaiserkrone (Machtsymbol) zum Friedenshasen, Beuys, Staatsgalerie Stuttgart).

Was bei der Diskussion nicht genannt wurde, ist eine sehr naheliegende Überlegung zum Zweck des Schneeballs.
Er steht i.a. für das Spiel, sei es eine Schneeballschlacht oder den Bau eines Schneemanns.
Das Spiel als wichtige Grundlage des Lernens und der Entwicklung menschlicher Intelligenz.
Das kam zu kurz oder ist mir nicht aufgefallen.

TS

Einige Ergänzungen von JS:

Liebe Mitdenker:innen,

Herzlichen Dank für die Zusammenfassung, zu der ich folgende Ergänzung beitragen möchte:

Ich hatte als 14 – 16 Jähriger um die 100 Kakteen. Heute habe ich (wieder) einen einzigen K., der mir wie einst dem jungen Goethe schon in Frankfurt seine „Mutter- oder Urpflanze“ viele Ablegerpflänzchen und wichtige Erkenntnisse geschenkt hat.

Bei mir ist es ein simpler und anspruchsloser ca. 35 cm hoher Kugel-Säulen-Kaktus, der im Sommer etwas schneller, als im Winter nachwächst. Die Geschwindigkeit des Wachstums kann an den aus dem präzisen, ganz oben liegenden Mittelpunkt nachwachsenden Rippen erkannt werden. Aber nur deswegen, weil auf den Graten der firstartigen Rippen in regelmäßigen Abständen die Stachel-Pusteln sitzen, die sich in immer neuen Kränzen bilden, kurz nachdem sich diese ins Licht der Welt geschoben haben. Auf 16 Rippen bilden sich aber in einem Kreis nur 8 Pusteln, die anderen 8 Rippen erhalten ihren versetzten Stachelkranz mit dem nächsten Schub. Es erscheint so, als habe ein „Corona-Tüftler“ sich ausgedacht, im Theater in jeder Reihe nur jeden übernächsten Platz zu besetzen und zwar jeweils schachbrettartig versetzt, so dass niemand einen Vordermann („Vorderfrau“) vor der Nase hat, um so der 1,5m- Forderung Genüge zu tun. Aber die Natur hat eben ihren eigenen Tüftler! 16 : 2 = 8 und 0-1-0-1-0-1 das ist die Zahlen-Mystik, die diesem Lebewesen zu Grunde liegt und der sich das Rippen- und Stachelsystem streng unterordnet.

Aber Natur wäre nicht Natur, wenn sie ein System zu Tode reiten würde. Es gibt hier im Gegensatz dazu auch eine künstlerische Freiheit: Die ist erkennbar in den Blütenknospen, die aus einigen Stachelpusteln heraus wachsen und die zu ihrer „hohen Zeit“ im Sommer blühen wollen. Es gibt ringsum und verteilt auf die ganze Höhe des Kaktus derzeit 9 Knospen von bereits 3 – 10 – 25 mm Höhe, für deren Anzahl und Lokalisierung aber kein System erkennbar ist. Sie sitzen im gleichmäßigen Gefüge der Stachelpusteln verteilt wie Kirchtürme in einer mittelalterlichen Stadt. Der Kaktus nimmt sich also neben dem Gesetz, dem sich das Wachstum unterordnet, für diese Hervorbringungen die quasi chaotische Narrenfreiheit für die Anordnung seiner Blüten, wenn man will, seiner „Sterne“. Da möchte man mit Nietzsche sagen:

MAN MUSS NOCH CHAOS IN SICH HABEN,

UM EINEN TANZENDEN STERN GEBÄREN ZU KÖNNEN.

Eine andere Beobachtung stelle ich an einem Wespennest an, das einige Wespen derzeit in unserem Gewächshaus bauen. Sie beherrschen die 6-eckige Wabenbaukunst, wie man sie von den Bienen her kennt. Die Zahl 6 ist hier der Code, der auch den Eis- und Schneekristallen zu Grunde liegt. Damit komme ich zu den Schneebällen und zu David Hammons. Der mag schon in den 80-er Jahren auf das Schmelzen des arktischen Eises hingewiesen haben, aber die Anordnung der Bälle in 6-er Reihen legt doch nahe, dass für ihn eine bestimmte „Ordnung“ zum Ausdruck gebracht werden sollte. Eine Ordnung, die weitgehend allen Wachstums- und Aufbauprozessen der Natur zu Grunde liegt.

Es gibt allerdings auch die gegenteiligen Wachstumsprozesse, die von der Unordnung in ein destruktives Chaos führen. Die negativen Wachstumsprozesse und Entartungen der weltweit verbreiteten Viren haben uns das vor Augen geführt. Dass die dagegen zu treffenden Entscheidungen in den Händen der wählerstimmen-geilen Politiker lagen und liegen, war und ist wohl keine glückliche Konstellation.

Nebenbei gefragt: Wie wäre die neueste Wahl ausgefallen, wenn nicht gerade (? zufällig) eine positive Phase in der Corona-Entwicklung zu verzeichnen gewesen wäre?

Umso mehr halte ich mich an die Erkenntnis, dass die aufbauenden Prozesse der Natur, wie auch der Kunst und der Technik (=Baukunst), immer oder meist einer Ordnung bedürfen, einer Ordnung, die man mit Schiller als „heilig“ ansehen kann.

HEILGE ORDNUNG, SEGENREICHE

HIMMELSTOCHTER, DIE DAS GLEICHE

FREI UND LEICHT UND FREUDIG BINDET,

DIE DER STÄDTE BAU GEGRÜNDET ….

Wir haben neulich festgestellt, dass Hammons’ Schneeball-Anordnung sehr wohl als eine Kunst-Plastik angesehen werden kann. Aber man wird wohl darin auch ein Symbol für ein Gebilde sehen können, das den natürlichen Aufbauprozess also das Gegenteil zum Dahinschmelzen und Verlorengehen symbolisiert.

Wobei ich aber nicht in der Lage bin, irgend etwas Aussage-Sinnvolles zu erkennen, ist das Pinkeln in die Plastik von Serra. Vermutlich bin ich da „gebranntes“ oder gelöschtes Kind:

Ich war 1955 mit einer Freundin im „Königsaal“ des Heidelberger Schlosses im Jazzkonzert einer berühmten Original-Dixiland-Band, die komplett aus New-Orleans angetourt war. Heidelberg war damals als das amerikanische Headquarter noch voller GIs in allen Tönungen. Auch der Königsaal schien mit den sympathischen und akut waffenlosen Burschen zu gut einem Drittel gefüllt zu sein. Die Bierfüllungen der Boys lag sicherlich wesentlich höher. Die Stimmung hatte sich zu einem unbeschreiblichen Höhepunkt gesteigert, als 4 oder 5 Reihen vor uns ein dunkelhäutiger Typ aufstand, seine Uniformhose aufknöpfte und seelenruhig vor sich hin pinkelte, als stünde er nicht auf dem hell gebohnerten Eichenparkett, sondern wie das „Männlein allein im Walde“. Es entstand ein kleiner mit Frauengeschrei durchmischter Tumult und im Umkreis von 5m eine Fluchtbewegung, aber die Musik wie auch das Konzert wurde nicht unterbrochen. Ich hatte bis heute eigentlich nur mit Mitleid an diesen Vorfall zurück gedacht, obwohl der farbige Bursche dabei an die Schändungen gedacht haben mag, mit denen die weißen und ursprünglich europäischen Amerikaner seine Vorfahren überzogen hatten.

Muss ich diese Einstellung jetzt ändern, da es auch diesbezügliche „Kunstaktionen“ gibt?

Ich werde wohl beim Mitleid bleiben!

JS