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Mitgebracht

Entdeckt – Gesehen

Auf das Pflaster geschrieben …

Impressionen von einer Tour durch London (Januar 2019)

Schon in den letzten Jahren habe ich mir die ersten Tage des neuen Jahres genommen, um durch die Straßen und die Museen von London zu streifen. Auch in diesem Jahr war ich in London und habe diesen Pflastermaler auf dem Platz vor der National Gallery gefunden. Mit Geduld und vielen farbigen Kreiden hat der seine Botschaft auf die Steine geschrieben, Wort für Wort. Und wenn wir es richtig lesen, dann ist er sogar ein Poet, der seine Reime in bunten Farben auf den Platz schreibt.

Nun waren es weniger die Gedanken als vielmehr die Gestaltung der Buchstaben und der Anordnung, die mich gereizt haben, es im Bild festzuhalten und mitzubringen. Und jeden Tag, wenn ich wieder über den Trafalgarsquare lief, war ein neues Schriftbild, ein neues Gedicht  da – in seinem eigenen Stil.

Weitere Impressionen aus den Streifzügen durch London:

The Demon´s Brain

Eine Video-Installation von Agnieszka Polska im Hamburger Bahnhof

“Die Luft ist ungewiss heute, deswegen weiß ich nicht, was ich tun soll.” Mit ähnlichen Worten wendet sich ein Schreiber in seinem Brief an den Adressaten, nachdem er ihm vorher die Situation geschildert hat: auf der einen Seite feiern sie einen fröhlichen und unterhaltsamen Abend, um am gleichen Abend auch noch vom Tod von Kindern zu erfahren, die an der Pest gestorben sind. Alles spielt im Umfeld der frühkapitalistischen Welt der Salzbergwerke, in denen Menschen schuften, das Salz abbauen und trotz des wertvollen Materials – Salz war das Gold der damaligen Zeit – doch zu darben, ihren verdienten Lohn nicht zu erhalten, Schulden nicht abbauen können, ihnen Zustehendes nicht gewährt wird.

Den Videos auf den vier Projektionsflächen, die reale und fiktive Bilder zeigen, wird als Geschichte das Agieren des Dämons, die Botschaft, die er einem reitenden Boten mit Brief und Siegel übergibt, erzählt. Der Dämon steht jedesmal als Sehender am Ort der Kamera, er tritt selbst nie ins Bild, nur seine Stimme ist hörbar.

Grundlage dieser Arbeit von Agnieszka Polska sind Briefe aus dem 15. Jahrhundert, die kurze Einblicke in die Situationen der Menschen und der Geschehnisse beschreiben. Der Dämon fordert in seinem Brief auf etwas zu unternehmen. Nur ob der Einzelne tatsächlich fähig ist, in das Geschehen einzugreifen und etwas zu ändern, bleibt offen. Der Bote übernimmt zwar den Brief mit dem Aufruf des Dämons und trägt ihn hinaus. Da er selbst aber nur reiten und nicht lesen und schreiben kann, bleibt ihm der Inhalt verschlossen. Er kann selbst nichts verändern. Die Tat eines Einzelnen kann wohl kaum Einfluss auf die komplexen Abläufe der uns umgebenden Welt nehmen.  

Den Briefen werden Essays gegenübergestellt, die der Handlungsfähigkeit von Subjekten die Beschreibungen von abstrakten Prozessen gegenüberstellen. Die Texte sprechen an, dass aktives Handeln, die Reflektion und der Austausch mit anderen sowie das Erkennen von langzeitlichen Mustern erste Schritte sein können, um die Ohnmacht der vermeintlichen Wirkungslosigkeit des persönlichen Tuns zu überwinden und den Mangel zu beseitigen..

Link zur Beschreibung der Ausstellung

Global Stone Project

Auf meinem Weg durch Berlin traf ich im Tiergarten auf das Global Stone Project. Schon vom Goethe-Denkmal aus sah ich die weißen Steine liegen. Steine faszinieren mich, noch mehr wenn sie so unterschiedlich und wie zufällig abgelegt sind. Die Worte von Dr.Kirsten Voigt (Kunsthalle Karlsruhe) in ihrer Einführungsrede in der Galerie Knecht und Burster am 22.Juni 2012 faszinierten mich: “Steine haben etwas Tröstliches. Sie sind alt, sie bleiben und scheinen uns die Hoffnung zu vermitteln, dass vielleicht nicht alles zu Staub wird. Sie zeigen Spuren und halten aus, sie zeugen von der Geschichte der Erde, von der Vielfalt ihrer Lebensräume, ihrer Schichten, von Bewegungen, Veränderungen und Kräften, die die unseren übersteigen und überdauern.”
Sie liegen auf der großen Wiese im Tiergarten Berlin, an einem Ort, an dem sie natürlich nicht vorkommen. Verwundert und angezogen sah ich mir die Steine aus der Nähe an. Beim Näherkommen finde ich fünf Steingruppen. Sie stehen für:

  • Europa – Erwachen
  • Afrika – Hoffnung
  • Asien – Vergebung
  • Amerika – Liebe
  • Australien – Frieden

Das GLOBAL STONE ist schlicht ein Kunstwerk – Platz inmitten des Tiergartens nicht weit vom Goethedenkmal, der Holocaust Gedenkstätte und dem Brandenburger. Sein Urheber, der Künstler Wolfgang Kraker von Schwarzenfeld beschreibt die Idee wie folgt:

“Steine aus fünf Kontinenten liegen mit ihrer Spiegelfläche in einem Winkel zur Sonne, so dass sie am 21. Juni das Licht zurück zur Sonne reflektieren und es in einer Frequenz von 16 Minuten um die Erde zu ihren Schwestersteinen nach Berlin senden.

Dort liegen diese Steine aus fünf Kontinenten im Kreis. Ihre spiegelnden Flächen zu einander sind so ausgerichtet, dass zwischen den Steinen fünf unsichtbare Linien aus Licht entstehen. Es ist dem Betrachter überlassen sie durch seine aktive Imagination zu verbinden und somit ein Symbol der geeinten Menschheit zu formen. Die Namen der fünf Steinpaare symbolisieren die fünf Schritte zum Frieden: Europa – Erwachen; Afrika – Hoffnung; Asien – Vergebung; Amerika – Liebe; Australien – Frieden!”

Mit der Hand schreiben

Beim Gang über den Markt, durch den Basar oder auch in Kneipen, Tavernen und Restaurants finden wir sie immer wieder, die Täfelchen, Tafeln, Zettel, Pappschilder, auf denen die Ware, der Preis oder andere Hinweise stehen. Besonders auf Reisen fallen immer wieder die Marktstände ins Auge mit ihren handgeschriebenen Bezeichnungen und Preisen – und meistens von Hand geschrieben, denn man kann sie auch schnell ändern, an Ort und Stellen und durchaus mit dem Blick auf die Konkurrenz.

Bilder dazu im Beitrag [Mit der Hand schreiben]

Epidauros – In Stein gemeißelt

2400 Jahre alt und doch noch gut erhalten, geben die steinernen Hinweistafeln im Heil- und Kurzentrum Epidauros auf dem Peloponnes nicht nur Einblicke oder Vermutungen über damalige Heil- und Therapieformen. Sie sind für uns Kalligraphen vor allem wegen der Zeichen, der handwerklichen Kunst der Schriftgestaltung, der verwendeten Zeichen und auch der Typologie interessant.

Ein ausführlicher Beitrag [In Stein gemeißelt]

Korinth – In Stein gemeißelt

500 Jahre vor Christus war die Gegend um Korinth bereits besiedelt. Erst 44 n.Chr. ließ Julius Caesar die Kolonie und die Stadt Korinth aufbauen. Die Stadt wuchs und erlebte ihre Blütezeit. Die wenigen Säulen des Apollon-Tempels und die vielen Ruinen zeugen vom Reichtum und vom Leben in dieser Stadt.

Für den reisenden Kalligraphen sind natürlich die vielen steinernen Zeugnisse interessant: die Worte in den Friesen und Toren, die Steintafeln hier mit den lateinisch geschriebenen Worten, die Formen und Anordnung der Buchstaben.

Ein ausführlicher Beitrag [Korinth: in Stein gemeißelt]

Biennale 2017

Viva Arte Viva

Besuch in Venedig und Gang durch Giardini, Arsenale und die Stadt.

“Lebe Kunst lebe!” Wunsch oder Wirklichkeit, politisch oder unpolitisch, bescheiden oder gigantisch. Die Stadt selbst ein großes Museum, gefüllt mit Kunst, gelebte und erfundene Kultur. Beeindruckendes, Irritierendes und Faszinierendes. Die nachfolgend verlinkten Beiträgen spiegeln die subjektiven Erlebnisse exemplarisch ausgewählter Exponate wider.

Beitrag von Benno Kotterba zu: Einzelne Pavillons in Giardini und Präsentationen in Arsenale

Beitrag von Benno Kotterba zu: Damien Hirst in der Punta della Dogana und Palazzo Grassi

Beitrag von Benno Kotterba zu: The boat is leaking. The captain lied. Alexander Kluge, Thomas Demand und Anna Viebrock

Beitrag von Jantje Janßen zu: ausgewählte Exponate der Biennale