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Feuer – Licht – Teilen

Erlebte Osterfeste

In der Zeitung stand fast drohend: „Wir lassen uns das Osterfest nicht verbieten“. Und was ist das, was da auf einmal vermisst wird? Die Feier in der Familie, das Sammeln der Ostereier, das gemeinsame Festessen? Es ist dieses Mal anders und da sind auf einmal Rituale in Frage gestellt. Wieder scheint Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich zu sein.

Wenn wir in Wikipedia nachlesen, dann ist es eben das Zusammentreffen des jüdischen Pascha und des christlichen Festes der Auferstehung Jesu Christi. Und bestimmt wird es durch den Mondkalender: Ostern am Sonntag nach dem ersten Frühjahrs-Vollmond. Und der war in diesem Jahr besonders hell und besonders groß. Christlich geprägte Kulturen haben eigene Rituale. Gemeinsam ist ihnen das Osterfeuer, die brennende Kerze als Symbol für das Licht und das Teilen (Ostereier und Brot).

Gerade Ostern verbinde ich mit dem Erleben von Licht. Ich hatte drei unterschiedliche Erlebnisse und Erfahrungen mit Feuer – Licht – Teilen. Für mich stehen sie in Verbindung mit Urerlebnissen und uralten Ritualen der Menschen. Da ist als erstes das Feuer – Osterfeuer. Ob es nun das kleine Osterfeuer, das trotz starkem Wind vor einer Kirche in Venedig mühsam entzündet wurde, oder der große Scheiterhaufen, den Männer auf Kreta für das Osterfeuer schon vor dem griechische Osterfest aufgeschichtet hatten, es war jedes Mal ein eindrucksvolles Erlebnis. An den Feuern wurde die Osterkerze entzündet und in die dunkle Kirche getragen. Wie eindrucksvoll das Geschehen, wie mit dem Hineinschreiten in die Kirche das Licht geteilt wurde und  durch die brennenden Kerzen der Menschen das Dunkel vertrieben.

Sehr eindrücklich war die Osternacht auf Kreta. Ein großes Feier war aufgeschichtet und wurde am Ende der Gesänge des Popen entfacht. Alleine das schon beeindruckend. Dann wurden brennende Hölzer aus dem Feuer genommen und die Kerzen in den Laternen angezündet. Als das Feuer verteilt war, wurden kleine Brote herumgereicht. Jeweils zwei benachbart stehende Menschen brachen ein Brot und teilten es. Jetzt erhielt jeder noch ein rot gefärbtes Ei. Dann trennten sich die Menschen und trugen das Osterlicht nach Hause. Ein anderes Beispiel war am Ende der Woche in Taize. Die Menschen hatten sich in der in der Kirche versammelt und alle hielten ihre brennende Kerzen in der Hand. Das Licht – eine große Bedeutung für uns.

Nicht nur die Pferde, auch wir Menschen sind Herdentiere, suchen die Begegnung und Nähe. Ein neues Finden von Nähe mit Abstand. Und auch ein Erinnern an Menschen, mit denen wir vertraut waren. Wie mag es ihnen wohl gehen? Sind sie gesund? Erinnerungen kommen hoch, vielleicht auch der Gedanke, Versäumtes nachzuholen, wieder in Kontakt kommen. Vielleicht keimt auch eine Sehnsucht auf, sich wieder zu sehen, zu sprechen, zu begegnen. Ein Neuanfang. Ein Ostern.