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Die historische Herstellung von Papieren

Besuch der Papiermanufaktur Fabriano

Wer an die Kurse im Schrifthof denkt, wird sicher noch in Erinnerung haben, dass wir uns nicht nur in Kalligraphie geübt sondern auch über Tinten, Tuschen und Papier unterhalten haben. Der ein oder andere hat vielleicht auch bemerkt, dass ich das Papier beschrieben habe, das wir in unseren Kursen verwenden. Es ist das Aquarellpapier von Fabriano. Für mich eines der besten Papiere, was Saugfähigkeit, Stabilität und Formbeständigkeit auch bei Arbeiten mit viel Wasser ausmacht.

Da ich auf meinem Reiseweg durch Italien auch die Region Karten um Ancona besucht habe, musste ich auch unbedingt den Ort Fabriano und das dortige Papiermuseum besuchen. Es war eindrucksvoll und für mich auch aufschlussreich. Dazu eben meinen kleinen Bericht vom Besuch und der speziell für mich durchgeführten Führung.

Der historische Weg zum Papier

Ich hatte das große Glück, dass die beiden Werkstattmeister Zeit hatten, mir die einzelnen Schritte zur Herstellung hochwertigen Papiers zu zeigen.

Die erste Frage war natürlich: warum Papierherstellung in Fabriano, und wodurch wurde das Papier von Fabriano (bis heute) eines der qualitativ hochwertigsten Papiere.

Die Chinesen hatten die Herstellung des Papiers erfunden. Das Besondere daran war, es musste nicht mehr das wertvolle Pergament aus der Haut der Tiere verwendet oder auch wiederverwendet werden. Papier war sehr viel billiger und konnte in unterschiedlichen Qualität und auch beliebigen Größen hergestellt werden. Fabriano war prädestiniert für die Papierproduktion, da viel Wasser dafür benötigt wurde und das war in Fabriano in ausreichender Menge immer vorhanden. Dazu kam dann noch die Erfindung – oder besser die Kunst, die Papieroberfläche so zu versiegeln, dass darauf die Tinten und Tuschen stehen blieben. Die Rezeptur wurde in Fabriano streng gehütet, wer Kenntnisse von der Rezeptur oder auch die Handfertigkeit besaß, durfte das auf keinen Fall weitergeben.

 

Der erste Weg ist der Schritt von Hadern (Baumwolle und Leinen) zu der Rohmasse, aus der dann das Papier geschöpft wird.

Die Hadern werden in kleine Flecken zerrissen und kommen dann …

… in die Papiermühle. Sie wurde mit Wasserkraft angetrieben und zerstampfte die Hadernflecken mit einem Höllenlärm bis das alles zu Brei geworden war.

In der Zwischenzeit bereitet der Papierschöpfer den Schöpfrahmen vor. Befreit von alten Resten spült er das Sieb und auch die Drähte für das Linienwasserzeichen sauber.

Das Wasserzeichen zeichnet die Bestellung aus und kennzeichnet die Ware als Papier des Auftraggebers.

Mit dem Schöpfrahmen führt er durch die zerstampfte Masse und füllt den Rahmen so geschickt, dass eine möglichst gleichmäßig dicke Schicht entsteht.

Im nächsten Schritt lässt er das überschüssige Wasser aus dem Rahmen laufen, entfernt dann den aufgelegten Rahmen vom Papiersieb …

… und drückt dann das Sieb mit dem geschöpften Bogen auf den Filz, hebt das Sieb ab und …

Der feuchte Papierbogen liegt auf dem Filz. Ein weiteres Filztuch wird darüber gedeckt, um den nächsten geschöpften Bogen aufzunehmen.

Ein gesamter  Stapel auf Filzen und den dazwischen liegenden Papierbögen kommt nun unter die große Presse.

Die Filze werden nun nach und nach abgehoben und die gepressten Papiere zum Trocknen aufgehängt.

Aus den Lederresten der Gerber wird ein Sud gekocht, in die wurden die getrockneten Papierbögen eingetaucht, um die Oberfläche zu festigen.

Der letzte Behandlungsschritt war dann noch das Glätten der Oberfläche mit solchen Holzglättern.

Die fertigen Papierbögen mussten nun nur noch gewogen werden, um sicherzustellen, dass der Kunde auch Papiere mit der korrekten Grammatur erhielt.

Nun liegen Sie fertig sortiert für die Auslieferung.

Das Eintauchen der Papiere in den 80 Grad heißen Leder-Sud war eine sehr unangenehme Handarbeit. Deswegen wurde für die Mengenproduktion eine Maschine entwickelt, in die die getrockneten Papierbögen eingelegt wurden. Sie durchliefen dann den heißen Ledersud  – dies war eine entscheidende Erfindung in Fabriano –  um die Oberfläche zu festigen – heute würden wir leimen sagen. Erst durch diese Behandlung konnten die Bögen beschrieben und mit einem sauberen Tinten- oder Tuschezeichen belegt werden, ohne dass die Schrift verläuft. Genau auch das ist heute immer noch die besondere Eigenschaft aller Fabriano-Papiere.

Eine weitere Erfindung beschleunigte den Trocknungsprozess. Die noch feuchten Blätter wurden nach de Pressen in diese Maschine eingelegt. In der großen Trommel wurde heiße Luft verwirbelt und die Papere durch diesen Heißluftwirbel geführt.